Im März 2020 mussten alle Schulen von einem Tag auf den anderen auf Fernunterricht umstellen. Dies betraf auch die höhere Berufsbildung und Weiterbildung. Jilline Bornand, Leiterin Lerninhalte an der KV Business School Zürich, berichtet in unserer mehrteiligen Blogserie von ihren Erfahrungen aus dem Schulalltag.
Als die Schulen im März 2020 quasi von einem Tag auf den anderen vom Präsenz- in den Fernunterricht wechseln mussten, gingen wir von einer befristeten Massnahme aus – so lange, bis sich die Situation um Covid entschärfen würde. Im Fokus stand zunächst, ein passendes Konferenz-Tool für den Fernunterricht auszuwählen, technische Fragen zu klären und die Studierenden und Dozierenden zu instruieren. An der KV Business School Zürich entschieden wir uns für Zoom und die Umstellung funktionierte problemlos.
Vom ersten Mal zum Dauerbrenner
Zu Beginn war alles neu und spannend. Vor den ersten Zoom-Meetings war man aufgeregt, man loggte sich viel zu früh ein, testete den Ton lieber einmal mehr und pröbelte mit der Kamera und den virtuellen Hintergründen. Die erste eigene Wortmeldung im Zoom-Meeting kostete Überwindung. Freiwillige Wortmeldungen aus dem Plenum waren in den ersten Lektionen eher spärlich – uns Dozierenden war die alleinige Aufmerksamkeit der Studierenden sicher.
Uns allen war aber auch bewusst, dass der Unterricht via Bildschirm nicht der gleiche sein kann wie im Klassenzimmer. Die Konzentration ist wesentlich geringer, wenn man die Mimik kaum und die Gestik gar nicht wahrnimmt, wenn die unmittelbare Interaktion mit der Pultnachbarin fehlt und einem stattdessen die Katze um die Beine schnurrt.
Durch Abwechslung zu mehr Aufmerksamkeit
Wie schafft man es als Schule, die Studierenden bei der Stange zu halten, sie auch im Fernunterricht bestmöglich zu unterstützen und die Motivation aller zu stärken? In der KV Business School Zürich setzten wir auf zwei Säulen: Zum einen forcierten wir eine stärkere didaktische Strukturierung der Unterrichtssequenzen. Das bedeutet, dass die Studierenden in der Regel einen Vorbereitungsauftrag erledigen, um im Thema anzukommen, und dass der Unterricht in kürzere Phasen eingeteilt ist, in denen sich Stoffvermittlung und Stoffverarbeitung abwechseln und die Studierenden genügend Zeit haben, um sich mit ihren Schulkameraden auszutauschen und Fragen zu stellen. Dazwischen öfter kleinere Pausen mit der Aufforderung, vom Bildschirm wegzugehen und sich kurz zu bewegen.
Zum andern machten wir uns schlau, welche digitalen Instrumente wir sinnvoll einsetzen können, um den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten und die Studierenden zu aktivieren – nicht nur den Fern-, sondern in hoffentlich naher Zukunft auch wieder den Präsenzunterricht. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit Delivros Orell Füssli eine Sammlung unter unterrichtgestalten.ch, die ausgetestete Tools für jede Phase des Unterrichts (Vorbereitung, Unterricht, Nachbereitung) beschreibt. Den Dozierenden der KV Business School Zürich bieten wir zudem regelmässig kurze Weiterbildungssequenzen an, um sie so stets über aktuelle Entwicklungen und den Umgang mit digitalen Tools auf dem neusten Stand zu halten.
Gewöhnung macht müde
Nachdem klar wurde, dass es sich beim Fernunterricht um mehr als nur um eine kurze Episode handelt, machte sich – nicht nur in der Schule – eine gewisse Online-Müdigkeit breit. Immer mehr Kameras blieben ausgeschaltet und die Wortmeldungen wurden weniger. Das Interesse aufrechtzuerhalten: Darin besteht die Herausforderung in diesen Tagen. Im nächsten Beitrag stelle ich Ideen vor, wie Online-Unterrichtseinheiten so gestaltet werden können, dass der Fernunterricht für alle spannend bleibt.
Zur Autorin:
Jilline Bornand ist Dozentin und Leiterin Lerninhalte an der KV Business School in Zürich.

Links:
unterrichtgestalten.ch
kvbusinessschool.ch




